Seit 2 Monaten unterwegs in Argentinien – Der erste Rückblick
Anita Sukan
Ich träume von einer Welt, in der jeder sein Leben in die Hand nimmt.

Am 11. Februar ist es genau 2 Monate her, seitdem Eric und ich ins Flugzeug gestiegen sind und das größte Abenteuer unseres Lebens gestartet haben.

 Als mich vor Abflug jemand fragte, wie ich mir die Reise vorstellen würde, behauptete ich, dass ich gar keine Vorstellungen hätte und einfach alles auf mich zukommen lassen würde. Wie sich nun herausgestellt hat, hatte ich doch zumindest ungefähre Vorstellungen.

“Veränderung wird nicht kommen, wenn wir auf jemand anderen oder auf eine andere Zeit warten. Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben. Wir sind die Veränderung, die wir suchen.”
BARAK OBAMA
Es kam alles ganz anders als gedacht.

Wir hatten vor, wie geplant in Buenos Aires von zwei auf Facebook nett scheinenden Kanadiern (die ich also noch nie zuvor gesehen hatte) einen Van zu kaufen (in welchem ich zuvor keine Sekunde lang gesessen bin). Wir hatten vor, in den ersten Tagen nach erfolgreichem Ankaufstest den notwendigen Papierkram zu erledigen, Richtung Uruguays Strand zu fahren und dort nach einem, vielleicht 2 Tagen Van putzen, leckere uruguayische Cocktails zu schlürfen. Wir hatten vor, dann ungefähr 2 Wochen später mit angenehmen Gegenwind im Haar Richtung Ushuaia zu fahren und allerhand wunderbare Erlebnisse zu sammeln. Ground & Wander würde sich ebenfalls wie von Zauberhand selbst veröffentlichen. Die Travel Influencerinnen auf Instagram arbeiten ja auch immer Cocktail trinkend vom Strand aus, oder?

Kopfschüttelnd kann ich über diese Vorstellung nun lediglich ein müdes Lächeln über die Lippen bringen. Fast schon entzückend, wie naiv ich sein konnte…

Tatsächlich sind wir nun – 2 Monate später – noch immer 1.300 km von Ushuaia entfernt. Bis dato sah unser „Vanlife“ wie folgt aus:

Statt Strandurlaub in Uruguay stand eine Woche lang von früh bis spät Van putzen am Plan. Statt den Sonnenuntergang Cocktail schlürfend am Strand zu genießen, fielen wir jeden Tag todmüde ins Bett. Statt 2 Wochen später Richtung Ushuaia zu fahren, hetzten wir mehr oder weniger planlos von A nach B. Statt schöne Orte zu entdecken, besuchten wir einen Mini-Eisenwarenladen an der Ecke nach dem anderen, fuhren zu Supermärkten und suchten nach so etwas wie einem argentinischen Obi.

Die Reparaturarbeiten wollten einfach kein Ende finden.

Mit Müh und Not suchten wir nach allen notwendigen Bauteile um eine Solardusche zu basteln. Unsere Dachgepäcksträger, den wir uns in Buenos Aires haben anfertigen lassen, war schon nach dem ersten Regen komplett mit Rost überzogen, weil wir wegen Zeitdrucks auf die Farbe verzichtet haben. Somit mussten wir einen Tag lang alles mit der Hand abschleifen. Die Duschkonstruktion explodierte beim ersten Befüllen und es hieß somit noch einmal alle Bausteine finden und zusammenbauen. Immer öfter fragte ich mich, wieso ich meinen orthopädisch korrekt eingestellten Bürosessel gegen ein Obdachlosen-Leben als Handwerkerin eintauscht habe.

Nachdem die vorab geplanten Umbauarbeiten so halbwegs abgeschlossen waren, machten sich die restlichen Probleme vom Van bemerkbar: die Klimaanlage und Lüftung funktionierten nicht, die Blinker hatten einen Wackelkontakt, die Hintertür schloss nicht richtig, die Rostflecken auf der Karosserie machten uns immer mehr Sorgen, der Seitenspiegel verschob sich stets mit dem Gegenwind, die Ventilationsluke am Dach war undicht, die Türen ebenfalls.

Also kamen zu unseren „Reisezielen“ nun neben Handwerkerläden auch diverse Autowerkstätten hinzu. Die Krönung des Ganzen war, dass wir mit der Zeit immer wieder Kleinigkeiten an der Innenausstattung änderten, um uns das Vanlife so bequem wie möglich zu gestalten.

Jetzt – 2 Monate, unzählige Werkstätten und Handwerkerläden, einige Tränenausbrüche, 2-3 Wutausbrüche und einen Bandscheibenvorfall später, kann ich nun frohen Mutes behaupten:

PANAMERICANA WIR KOMMEN! ENDLICH!

„Immer öfter fragte ich mich, wieso ich meinen orthopädisch korrekt eingestellten Bürosessel gegen ein Obdachlosen-Leben als Handwerkerin eingetauscht habe.“

Vision.
Ich bin der festen Überzeugung, dass tief im Inneren jeder von uns ein etwas besserer Mensch sein möchte.
Diese positive Veränderung ist für jeden möglich – egal, ob es um erfüllendere Taten, schönere Worte oder um positivere Gedanken geht.
Ground and Wander soll dir den vielleicht letzten Stups geben, den für dich richtigen Weg zu finden und dich ermutigen, ihn auch zu gehen.
Kontakt.