LESEREISE:
Zwischen Pin-Up-Girls und Glaubensbekenntnissen in Peru

Anita Sukan

Ich träume von einer Welt, in der jeder sein Leben in die Hand nimmt.

Eric und ich sind im Norden von Peru und es ist helllichter Tag. Die Sonne scheint in voller Pracht und draußen ist es angenehm weil ein Wind durch den Cañon del Pato zieht. Im Auto kriegen wir von dem Wind allerdings nichts mit, sondern nur die Gewalt der Sonne, welche die Fahrerkabine wie ein Glashaus aufheizt, ist zu spüren. Wir sind gerade auf dem Weg nach Trujillo, wo wir als erstes den Mercedes Partner in Peru, Divemotor, aufsuchen wollen.

Über die Panamericana fahren wir in Trujillo hinein und wir merken gleich, dass wir an der Küste sind, denn im Juli ist der Himmel am Pazifik fast durchgehend von einer dicken Wolkendecke bedeckt.

Wie in so gut wie jeder anderen peruanischen Großstadt muss man durch die Industriezone am Stadtrand durchfahren, um in die Stadt hineinzukommen. Die Vorstadt ist geprägt von Werkstätten, die alles fürs Auto anbieten von Autowäsche über Ölwechsel bis hin zur spezialisierten Reparatur. Um die Kundschaft von ihren Angeboten zu überzeugen und aus der Masse herausstechen, bedienen sich die Anbieter auffallender Werbeschilder auf denen vollbusige Schönheiten mit wohl ausgestatteten Gesäßen und lasziven Blicken in ihrem spärlichen Arbeitsgewand (Bikinis) Autos waschen oder Motoröle anpreisen. Oder nur einfach lasziv dreinschauen.

Entweder zieht diese Form der Werbung in Peru so gut oder alle Geschäftsinhaber haben darin die perfekte Ausrede gesehen, um sich eine leicht bekleidete Göttin in Lebensgröße an die Vitrine zu kleben. Es sind nämlich fast alle Geschäfte mit einer – nennen wir sie Sales-Angestellten – ausgestattet. So kommt es nicht selten vor, dass man in Peru das Gefühl hat, durch verschiedene Pirelli-Kalender durchzufahren. Jegliches weibliche Schönheitsideal seit der 90er Jahre ist am Straßenrand vertreten.

Am Straßenrand stehen auch unzählige LKWs, dessen gottesfürchtige Fahrer „Dios es mi fortaleza“ (Gott ist meine Stärke), „Dios me guia“ (Gott führt mich), „Dios es mi camino“ (Gott ist mein Weg) im beliebten Coca-Cola Schriftzug prominent aufgeklebt haben. Dass Gott einem Stärke geben mag, wage ich nicht zu bestreiten, aber dass Gott die Peruaner führt oder ihr Weg ist, birgt (abgesehen des Coca-Cola-Schriftzuges) allerdings eine gewisse Ironie, wenn man bedenkt wie chaotisch und rücksichtslos es hier im Verkehr zugeht.

Sowohl auf als auch jenseits der Straße. Mototaxis quetschen sich durch jeden noch so engen Zwischenraum. Motorräder balancieren sich auf erstaunliche Weise durch den Verkehr. Es wird gehupt, es wird gedrängelt. Links und rechts neben der Straße versuchen unzählige Verkäufer, ihr Gut an den Mann zu bringen: Obst, frisch gepresste Obstsäfte in Flaschen oder Plastiksackerln, Popcorn, Erdnüsse und diverse Snacks. Vor allem Ampeln und Temposchwellen – und von denen gibt es unzählige – werden als offenbar lukrativer Standort benutzt.

Hinter den mobilen Verkaufsständen wird Mittagessen angeboten. Die Vielfältigkeit ist überschaubar. Es gibt Menüs bestehend aus Ceviche (Perus Nationalgericht #1 aus rohem Fisch), Cuy (Perus Nationalgericht #2 aus Meerschweinchen), Caldo de Gallina (Hühnersuppe), Lomo Saltado (Fleisch mit Reis und Kartoffeln), Chaufa (Reishaufen aka „Reis-Haufa“). Die sättigenden, bodenständigen Menüs kommen umgerechnet auf € 1,50 bis € 2,50.

In der Mercedes Benz Garage angekommen finden wir nicht nur ein paar der Ersatzteile, die wir benötigen, sondern auch ein Fleckchen zivilisiertes Europa. Alles ist blitz-blank poliert, man wird von einer Empfangsdame empfangen, Formulare werden ausgefüllt, der Platz ist effizient genutzt, jeder Mitarbeiter hat eine explizit zugewiesene Aufgabe, jegliche Information wird aus dem Computer abgerufen, es wird nach Protokoll gearbeitet.

Fast könnte man vergessen, dass es draußen kaum Mercedes auf der Straße gibt. Dass die Straßen von Schlaglöchern übersät sind. Oder dass die Ampeln als Empfehlung und nicht Gebot angesehen werden. Dass auf einer zweispurigen Fahrbahn drei Autos und ein Mototaxi nebeneinander fahren. Kurzum, dass sich draußen das pure Chaos abspielt. Es ist einfach herrlich, wie dieses Land alle Sinne (über-)fordert.

Vision.

Ich bin der festen Überzeugung, dass tief im Inneren jeder von uns ein etwas besserer Mensch sein möchte.
Diese positive Veränderung ist für jeden möglich – egal, ob es um erfüllendere Taten, schönere Worte oder um positivere Gedanken geht.
Ground and Wander soll dir den vielleicht letzten Stups geben, den für dich richtigen Weg zu finden und dich ermutigen, ihn auch zu gehen.

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